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Geld regiert die Welt!?

Als wir, die Hochschulseelsorger Hof,  im Januar 2013 die Ausstellung „30 Jahre Schuldenkrise“ an die beiden Hochschulen Hofs holten, war unsere ursprüngliche  Absicht, Einblick zu geben in einen globalen Skandal. Während jede Privatperson und jede Firma bei Insolvenz ein rechtsstaatliches Verfahren erwartet, sind zig sogenannte Schuldner-Staaten seit Jahrzehnten auf die Gnade (oder Ungnade) ihrer Gläubiger angewiesen. Ein faires Insolvenzverfahren für Staaten gibt es bis heute nicht - auch wenn dies von vielen Organisationen und NGOs seit langem gefordert wird und trotz der Beteuerungen namhafter Politiker, sich dafür einzusetzen!

Zu den Bildern menschenunwürdiger Lebensverhältnisse in so vielen Ländern, die uns beinahe täglich in den Nachrichten erreichen, wollten wir das notwendige Hintergrundwissen liefern – auch um uns Privilegierte an unsere Welt-Verantwortung zu erinnern! In einer vom Geld geprägten Welt Bildung genießen zu dürfen muss das Wissen über solche globalen Zusammenhänge u.E. mit einschließen! Jürgen Kaiser, der politische Koordinator der Erlassjahr-Kampagne, hat in seinem Vortrag „Geschichten aus der Schuldenkrise“ am 15.1.2013 deutlich aufgezeigt, wie wir – die sogenannten Geberländer – solch menschenunwürdige Lebensverhältnisse über Generationen hin politisch mit zementieren! 

Zur Ausstellung:  PPP Geschichte(n) der Schuldenkrise

Für vertiefende Informationen (Länderprofile, Schuldenreport, Newsletter u.a.): https://erlassjahr.de/

Seit 2013 unterstützt die Hochschulseelsorge-Hof auch finanziell die Arbeit von Erlassjahr.de als Mitträger - zusammen mit über 500 weiteren Mitträgern (NGOs, Kirchen, Gewerkschaften u.v.a.m.)

Uns war bewusst, dass wir uns mit dieser Ausstellung auf das Thema schlechthin eingelassen hatten, das unsere gegenwärtige gesellschaftliche Wirklichkeit nicht nur global sondern auch ganz persönlich am meisten prägt: G E L D !

Und wir machten uns auf die Suche nach bewährtem Wissen! 

1.    Was wird heute an den Hochschulen über den Umgang mit Geld gelehrt? Das fragten wir zunächst den Wirtschaftswissenschaftler Frank Trommer, Dozent an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Hof. Sein Vortrag „Schulden – die ökonomische Geißel der Moderne?“ machte deutlich, dass Schulden machen Sinn macht – freilich nur innerhalb bestimmter Grenzen! 

Es gibt gute Gründe Schulden zu machen - für eine Einzelperson ebenso wie für einen Staat. Es gibt für beide aber auch die Gefahr übermäßiger Verschuldung. Fragt man danach, wer dann die Last trägt, landet man bei den Realitäten von arm und reich – in Deutschland und global. Und bei wissenswerten polit-ökonomischen Zusammenhängen!

Die Präsentation (PDF Schulden - …) mit höchst informativen Grafiken, die Herr Trommer zu seinem Vortrag zeigte, darf allerdings nur zu Lehrzwecken verwendet werden. 

2.    Die Erfindung des Geldes gehört zweifellos zu den großen Kulturleistungen der Menschheit. Und doch entwickelt es bei Menschen gerne eine Eigendynamik. Die Gewinnwarnungen unserer jüdisch-christlichen Tradition referierte Prof. Gunter Wenz von der LMU München am 17.1.2013, verband sie mit grundsätzlichen Überlegungen zum Geld und warnte anhand von allenthalben zu beobachtenden Übergriffen auf nichtökonomische Gesellschaftsbereiche vor der Totalisierung des Ökonomischen: „Gott und Geld.“ Der Vortrag zum Lesen: hier als PDF bzw Text von Word-Datei

3.    Wie spart man – nicht zuletzt für’s Alter? Welche Grundabsicherungen braucht ein jeder und jede in unserer heutigen Gesellschaft? Bei unserer Suche nach bewährtem Wissen und nachhaltigen Antworten auf solch wichtige lebenspraktische Fragen machten wir zwei schockierende Beobachtungen:

Zum Einen, dass die „Fachleute“, die hier Auskunft geben sollten – also die Banken und Versicherungen – häufig keine wirklichen Fachleute sind, sondern Verkäufer, die auf ihren eigenen Gewinn schauen (müssen!).

Zum Anderen stellten wir fest, dass wir damit ein Tabu-Thema angesprochen haben. „Über Geld spricht man nicht…“  - Dieser Satz, der ursprünglich der Schicht der Reichen entstammte (Fortsetzung: „…das hat man!“) hat längst alle Schichten unserer Gesellschaft infiziert! Seit Jahrzehnten wird in bundesdeutschen Familien kein oder kaum bewährtes Wissen zu Fragen der Grundabsicherung, der Altersvorsorge u.a. weitergegeben. Nur so ist zu erklären, dass noch im Jahre 2012 ca.100.000 Bundesbürger eine kapitale Lebensversicherung abgeschlossen haben – nichts anderes als „legaler Betrug“ am Sparer wie das oberste deutsche Gericht dazu bereits in den 80-er Jahren urteilte!

PDF „Geld ist leider ein Tabu-Thema“

Wir haben uns deshalb einen unabhängigen Finanzberater geholt, der mit seinen beiden Vorträgen „Mut zur Lücke – Thema: Versicherungen!“ und „Das Lustige am Geld: dass man nicht darüber spricht! (Thema: Sparen)“ deutlich machte, wie bewährtes Wissen heute vermittelt werden muss: Durch Transparenz, die allein den Kunden auch sachkundig macht!

Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, bei der Beantwortung solch wichtiger Fragen einen unabhängigen Finanzberater zu Rate zu ziehen!

4.    Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser! Wer ein langfristiges hohes Darlehen bei seiner Bank aufgenommen hat wird nach dem Vortrag „Bankkunden – die Melkkühe der Nation“ von Ralph Hans Brendel (1.Vorsitzender "Bundesverband Kreditsachverständige und Kontenprüfer e.V." und Fachlicher Leiter der zinspruef GmbH, Berlin (PDF)) die Zinsberechnungen seiner Bank noch einmal von unabhängiger Seite überprüfen lassen. In fast 90 % der Fälle haben Banken falsch gerechnet! Das kann – je nach Darlehenshöhe – auch in die zig-Tausende gehen!

5.    Die mit der Ausstellung durchgeführten Vortragsveranstaltungen zielten allesamt auf eine Öffentlichkeit über den Kreis der Hochschulen Hofs hinaus. Mit der Einladung des Kämmereileiters der Stadt Hof, Herrn Peter Fischer, über die kommunale Schuldensituation der Stadt zu berichten, sollte jedem Bürger die Möglichkeit gegeben werden, sich über die finanzielle Situation seiner politischen Gemeinde vor Ort zu informieren. Es war dies übrigens die erste Einladung dieser Art, die der Kämmereileiter erhalten hat…

6.    Unser herzlicher Dank geht an beide Hochschulleitungen: Für die Bereitstellung der Räumlichkeiten und die Finanzierung des Stehempfangs, für die Gewährung von Übernachtungsmöglichkeiten und die Mitfinanzierung zweier Vorträge durch den Career Service, für die Bereitstellung einer Kamera über Bearbeitung der Filme bis hin zur Einstellung der Filme auf dieser Plattform hier – kurz gesagt: für die Unterstützung unseres Vorhabens in jeder Hinsicht und von allen Seiten! Besonderer Dank gilt Prof. Dr. Franz Boos, Prof. Ulrich Entrup, Herrn Dozenten Frank Trommer, den beiden wissenschaftlichen Hilfskräften Michael Hoffmann und Martin Marschall sowie den beiden Hausmeistern und allen Studenten, die die Ausstellung zweimal auf- und abgebaut haben!